Wildbienen - die Zeitgenossen der Saurier

Wildbienen gab es schon zur Zeiten der Saurier. Das zeigen uns archäologische Funde von vor über 150 Millionen Jahren in der Region von Myanmar. Von dort gibt es einen etwa so alt geschätzten Bernsteinfund. Die ersten Blühpflanzen wurden allerdings von Käfern bestäubt. Eine Theorie der Forscher besagt, dass sich die Bienen erst im Laufe ihrer Entwicklung zu Vegetariern entwickelt haben und sich auf das Sammeln von Nektar und Blütenpollen spezialisiert haben.

Die ersten Bienen glichen Wespen, die sich ja auch von anderen Insekten ernähren. Durch diese Spezialisierung der Bienen auf Nektar und Pollen, konnte die Pflanzenwelt sich viel üppiger entwickeln, da die Bestäubungsleistung der Bienen viel höher ist, als die von Käfern.

Bienen - die Langschläfer unter den Insekten

Alle Bienenarten brauchen für ihren Stoffwechsel eine gewisse Wärme, bei zu kalten Temperaturen verfallen sie in einen Ruhestarre. Von daher erwecken die ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühjahr die Behausung zu neuem Leben. Die Bienen schlüpfen aus Ihren Kokons und der Zyklus des Lebens beginnt von neuem. Aber auch an kalten Frühlingstagen kommen die schon geschlüpften Bienen erst bei einer gewissen Temperatur in Stimmung.

Das verhält sich bei Honigbienen genau so. Ein Bienenstock von Honigbienen sollte von daher immer eher im sonnigen Umfeld stehen.

Kaum zu glauben - Wildbienen sind meist Einzelgänger

Wildbienen sind meist einjährige Insekten. Entgegen der Honigbiene, die ein reines Gruppentier ist, leben die Wildbienen solitär. Die Fransen-Schmalbiene bildet eine Ausnahme, sie bevorzugt das Leben in der Gruppe.

Spezialisierung auf hohem Niveau

Mehr als 585 Arten von Wildbienen gibt es in Deutschland. Jede Art hat sich auf ihr Umfeld spezialisiert und hat verschiedene Ernährungs- und Nistgewohnheiten. Ein Beispiel: Wenn wir Mohnfelder sehen, können wir davon ausgehen, dass hier Bienen in der Nähe sind, die sich auf Mohn spezialisiert haben. So findet man Scherenbienen oft in der Nähe von Glockenblumen, in der Nähe vom Blauen oder Gelben Lein oft Mauerbienen, die nur den Pollen dieser Pflanzen sammeln.

Der Flugradius von Wildbienen ist überschaubar, er beträgt etwa 300 Meter um die Behausung, zeigt aber auch wie spezialisiert die Bienen sind. Viele Arten sind nicht nur abhängig von ihren Wirtspflanzen, sondern auch davon, dass sie passenden Wohnraum in der Nähe haben.
Auch gibt es jahreszeitliche Unterschiede bei den Flugzeiten der Wildbienen. Die Efeu-Seidenbiene lebt vom Efeu und wartet mit der aktiven Flugzeit bis zur Blütezeit des Efeus im Herbst. Auf der ganzen Welt gibt es etwa 20.000 Arten von Wildbienen, davon in Europa noch etwa 2.000 Arten. Diese Vielfalt zeigt auch die Spezialisierung der Natur und sollte uns besonders am Herzen liegen, da viele Lebensräume ohne Wildbienen nicht existieren können.

Honigbienen produzieren Honig – Wildbienen nicht

Die Wildbienen produzieren keinen nutzbaren Honig. Die Blütenpollen, die bei der Bestäubung an den hinteren Beinchen hängen bleiben, ist der Proviant zur Aufzucht der Larven. In die mit Drüsensekret oder Blütenblättern ausgekleideten Nistgänge wird ein befruchtetes Ei in Blütenpollen gelegt, dann eine Trennwand aus Drüsensekret verklebt. Dieser Vorgang wiederholt die Bienen, bis der Nistgang gefüllt ist (siehe Abbildung). Zum Abschluss wird der Gang mit Lehm, Erdklümpchen oder Lössboden, verklebt.

 

Der Nistgang einer Mauerbiene im Mörtel einer Ziegelwand

1: Larve im Blütenpollennest

2: Larve verzehrt den Blütenpollen

3: Die Larve verpuppt sich

4: im Kokon: Transformation zum Insekt

Die kleinen elektrostatischen Kraftpakete bestäuben ganz nebenbei

Man glaubt es kaum, aber Bienen laden sich im Flug elektrisch auf. Auch der Blütenpollen ist leicht aufgeladen. So ziehen sich beide elektrostatisch an und die Natur kann Ihren Lauf nehmen.

Nicht nur Obstbäume werden bestäubt, alle Blüten brauchen die Bienen.

Bienen lieben Farben...

Woher weiss die Mohn-Mauerbiene, dass der Mohn - ihre bevorzugte Nahrungsquelle - rot ist? Mauerbienen kleiden zudem die Gänge ihrer Nester mit den Blütenblätter des Klatschmohns aus. Auch für die Abtrennungen der einzelnen Brutzellen verwendet sie die Blütenblätter.

... und die Pflanzen nutzen dies und geben farbige Signale an die Bienen.

Ein Beispiel ist die Blüte einer Kastanie. Am Anfang der Blüte, wenn die Zeit zur Bestäubung am günstigsten ist, Blüte weiß mit gelben Blütenansatz. Dieser verfärbt sich magenta, wenn die Blütenpollen nicht mehr aktiv wirken können. Durch diese Farbkodierung signalisiert die Blüte den Bienen: "Spar´Dir den Weg“.

Der ideale Lebensraum

Den idealen Lebensraum kennen wir eigentlich alle:

Selten gemähte und kaum bewirtschaftete Wiesen sind sehr wichtig – und natürlich der Verzicht auf Insektenvernichtungsmittel. Die einseitige Landwirtschaft und der dadurch resultierende Verlust von Wildpflanzen, die auf Randstreifen und Brachland für Trachtangebot sorgten, sind Gründe für den signifikanten Rückgang der Wildbienen in Deutschland. Ebenso finden die Bienen immer weniger geeignete Orte für den Nestbau. Der Wespenbockkäfer kann z.B. immer seltener seine Larven in altem Holz einlegen, da es immer weniger frei herumliegendes Totholz gibt. Der Käfer erfüllt aber eine wichtige Funktion für die Bienen: seine ins Holz gelegten Larven fressen bis zum Schlüpfen mehrere Zentimeter tiefe Gänge in das Totholz, die später als ideale Nistgänge für einige Wildbienenarten dienen.

Dunkelfransige Hosenbiene / Rauhfüßige Bürstenbiene (Dasypoda hirtipes), Weibchen, sitzt auf Sandboden, Mecklenburg-Vorpommern

Viele Bienenarten wohnen bodennah. Lössböden und lösshaltige Erden zwischen Steinen sind die idealen Nistmöglichkeiten.  Ruhige Erdhügel und auch sonnige, nicht bewirtschaftete Weiden, sind ein schöner Platz für Wildbienen. Für die Fransenschmalbiene, beispielsweise. Diese Art wohnt sogar in größeren Gruppen im Boden und formt aus dem Aushub kleine Türmchen aus Löss.

Die Arbeiterinnen der Fransenschmalbiene werden, als fast einzige Art, sogar zwei Jahre alt. Die Königin kann bis zu sechs Jahre alt werden. Vielleicht liegt die längere Lebenszeit darin begründet, dass diese Art ab Mai ihren Bau nicht mehr verlässt.

Parasiten und Kukucksbienen

Seidenbienen suchen Schlamm für den Bau ihres Nestes

Vorsicht Freund und Feind sind schon unter uns...

Wie unter den Vögeln gibt es auch bei Wildbienen Kuckuckskinder. Nur zwei Beispiele: Die Wespenbienen sind Kuckucksbienen, die keine eigenen Nester haben. Blutbienen legen ihre Eier auf den Pollen von Seidenbienen. Hier ist es das bekannte Verhältnis von Wirt und Parasit, das es oft auf der Welt gibt. Diese Arten nehmen den Nektar aus den Blüten nur zur eigenen Versorgung auf. Ihren Nachwuchs lassen sie von den Wirtsbienen versorgen.

Sehr arg trifft es die Seidenbienen!

Die sehr kleinen Larven des Schwarzen Maiwurms (Meloe Proscarabaeus) setzen sich in Blüten und klammern sich im Pelz der Biene fest. So lassen sie sich zum Pollenvorrat der Bienen bringen.

Landet die fremde Larve auf dem Ei der Biene, wird sie es verspeisen. Nach der folgenden Häutung, verspeist sie den von der Biene für ihren Nachwuchs gesammelten Pollen und häutet sich erneut. Nach zwei weiteren Häutungen schlüpft sie aus dem fremden Nest.

Die männliche Wildbiene führt ein eintöniges Leben

Die Männchen leben kurz, schlüpfen aber früher und beteiligen sich nicht am Nestbau. Die einzige Aufgabe der männlichen Biene ist die Begattung der Partnerin.

Die eigentliche Paarung ist dabei von Art zu Art sehr unterschiedlich und kann von ein paar Minuten, wie bei der Efeu-Seidenbiene, bis zu zwei Stunden, bei der Gehörnten Mauerbiene, dauern. Die Paarung findet sehr schnell nach dem Schlüpfen der weiblichen Biene statt, oft bei ihrem ersten Flug zu einer Blüte.

Die männlichen Bienen versterben, im Gegensatz zu den weiblichen, kurz nach der Begattung.

Auch Hummeln sind Wildbienen

Die Hummel ist eine Wildbienen-Art, die in Gruppen von etwa 50 bis zu 600 Tieren lebt. Es gibt eine Königin, die ähnlich wie bei den Honigbienen mittels Eiproduktion für den Nachwuchs zuständig ist. Auch hier heißen die Männchen Drohnen, die für die Begattung benötigt werden. Das große Insekt mag die Hitze nicht so sehr und bevorzugt die gemäßigteren und kühleren Gegenden der Nordhalbkugel.

Die Hummeln mögen es eher kühl und in Gesellschaft

Schon ab sechs Grad werden die Arbeiterinnen aktiv. Sie brauchen die Wärme nicht, da sie ihre eigene Wärme durch die Vibration der Brustmuskulatur erzeugen. Die Arbeiterinnen und Drohnen leben allerdings nur drei bis vier Wochen innerhalb der Zeit vom Frühjahr bis zum September. Es überwintern nur die schon begatteten Jungköniginnen. Diese beginnen im zeitigen Frühjahr des folgenden Jahres bei Temperaturen ab zwei Grad ein Nest zu suchen, um einen neuen Staat zu gründen. Die neuen Königinnen leben bis zu 12 Monate, davon verschlafen sie aber gerne 8 Monate.

Die Suche der Hummel-Königin im Februar

Ab Februar suchen die frisch geschlüpften Königinnen nach einem Nest. Dabei wird es oft zu kalt und der Vorrat im Magen der Jungkönigin geht zur Neige. Wenn Sie so ein kraftloses kleines Insekt sehen, bereiten Sie ihm eine Freude mit einem Teelöffel in Wasser gelöstem Zucker. Das Mischungsverhältnis ist: 1 Teil Zucker und 1 Teil Wasser.

Das stärkt die Lebensgeister und hilft der kleinen Hummelkönigin ihren Staat zu gründen.

Hummeln sind Tomatenexperten

Erst seit dem Ende der 1980er Jahre hat sich die Hummel im Anbau von Obst und Gemüse, vorwiegend im Treibhausanbau als professionelle Bestäuberin durchgesetzt.
Gerade bei Tomaten haben sich die Hummeln bewährt. Hier werden weltweit Millionen von Hummelnestern künstlich aufgezogen.
Gemüsebauern auf der Nordhalbkugel haben die besten Erfahrungen mit dieser Wildbienenart gemacht.

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